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Mögliche Probleme von hochbegabten Kindern

Hochbegabte Kinder können es schwerer haben als der Durchschnitt.

Bereits im Kindergarten haben sie andere Interessen als die meisten anderen gleichaltrigen Kinder und finden die angebotenen Beschäftigungen langweilig. Sie finden oft nicht die passenden Freunde und fühlen sich deshalb „anders“ und unverstanden.

 

Wenn sie eingeschult werden, können sie oft bereits etwas oder sogar recht gut lesen, schreiben und rechnen, so dass der normale Unterricht sie langweilt und sie dauerhaft unterfordert sind.

Nachlassende schulische Motivation, Träumen im Unterricht, Stören, motorische Unruhe oder auch Kopf- und Bauchschmerzen können die Folge sein. Manchmal sinken auch die Schulleistungen ab. Viele hochbegabte Kinder passen sich aber auch bewusst an, verstecken ihre Begabung, fühlen sich aber dennoch “anders” und unverstanden.

 

Einige hochbegabte Kinder haben auch in bestimmten oder sogar mehreren Schulfächern schlechte Noten (die sogenannten „Underachiever“). Das kann z.B. daran liegen, dass sie im Unterricht „abschalten“ und träumen, wenn mehrfach derselbe Schulstoff erklärt wird oder etwas geübt werden soll, was sie schon längst verstanden haben. Es kann dann auch vorkommen, dass sie motorisch unruhig werden, stören, Antworten laut reinrufen oder herumalbern.

Psychosomatische Beschwerden wie vor allem Kopf- oder Bauchschmerzen, starke Stimmungsschwankungen, Verweigern des Kindergarten- oder Schulbesuchs oder andere Verhaltensauffälligkeiten wie aggressives Verhalten können die Folge sein.

 

Auch Teilleistungsschwächen oder –störungen wie z.B. Legasthenie können bei hochbegabten Kindern auftreten. Sie behindern die Entfaltung der Begabung und führen auch häufig zu einer starken Beeinträchtigung des Selbstvertrauens des Schülers. Solche Kinder haben oft das Gefühl, „dumm“ zu sein und nehmen ihre sonstigen Fähigkeiten gar nicht mehr wahr. Aber auch für Lehrer ist es dann oft sehr schwer, die intellektuelle Begabung des Schülers zu erkennen und zu fördern.

 

Vor allem die hochbegabten Mädchen wollen nicht auffallen und versuchen deshalb, sich den anderen Kindern anzupassen. Dennoch merken sie, dass sie „anders“ sind und fühlen sich deshalb oft einsam und unverstanden. Da hochbegabte Mädchen meist sehr viel weniger äußerlich auffallendes oder störendes Verhalten zeigen, lassen Eltern Mädchen auch deutlich weniger häufig auf mögliche Hochbegabung testen. Der Anteil der Mädchen in meiner Praxis beträgt etwa ein Drittel der untersuchten Kinder insgesamt.

Sie werden also oft nicht als hochbegabt erkannt, leiden aber dennoch unter ihrer Andersartigkeit und Unterforderung. Sie zeigen entweder gute Leistungen in der Schule oder verstecken ihre Fähigkeiten, indem sie sich in Tempo und Niveau an die Mitschüler anpassen. Die Folge können Depressionen oder Essstörungen wie z.B. Magersucht sein.

 

Hochbegabte Jungen verhalten sich auch manchmal in der Schule unauffällig und angepasst, reagieren dann aber z.T. zuhause mit aggressivem Verhalten, aber auch mit depressiven Verstimmungen. Viele hochbegabte Jungen werden bei Unterforderung jedoch eher unaufmerksam und unkonzentriert und machen Flüchtigkeitsfehler oder sie verhalten sich motorisch unruhig, stören durch Zwischenrufe oder werden zum Klassenclown. Ihre schulische Motivation lässt sehr nach, sie sitzen sehr lange an ihren Hausaufgaben oder erledigen sie gar nicht mehr. Diese Verhaltensauffälligkeiten führen häufig zur Fehldiagnose AD(H)S und damit auch zu völlig unangebrachten Behandlungen wie z.B. der Gabe von Medikamenten wie Ritalin.

 

Etliche hochbegabte Schüler haben gute bis sehr gute Noten in der Grundschule und z.T. auch noch zu Beginn der weiterführenden Schule, weil ihnen alles „zufliegt“. Sie machen Hausaufgaben nur teilweise, lernen kaum oder gar nichts für Klassenarbeiten, können den Stoff aber dennoch recht gut wiedergeben. Dadurch lernen sie aber nicht, zu lernen und sich anzustrengen oder Schulstoff wie z.B. Vokabeln regelmäßig zu wiederholen etc. (Lernen lernen). Solche Schüler haben meist ab etwa Klasse 6 oder 7 große Probleme und zeigen zunehmend schlechtere Schulleistungen, weil sie erwarten, dass sie auch weiterhin alles können müssten, ohne zu lernen, zu üben und den Stoff zu wiederholen.

Einige hochbegabte Schüler schreiben sogar absichtlich schlechte Noten, um nicht länger als Außenseiter zu gelten oder gemobbt zu werden.

 

Es sind daher häufig bereits sehr früh bestimmte Maßnahmen nötig wie z.B. eine vorzeitige (d.h. den Begabungen und Fähigkeiten des Kindes entsprechend rechtzeitige!) Einschulung, das Überspringen einer Klassenstufe oder der Besuch einer Schule mit speziellen Fördermöglichkeiten. Auf diese Weise lassen sich die beschriebenen Probleme in den allermeisten Fällen rasch beheben.

Vor dem Ergreifen solcher Maßnahmen ist jedoch zur Absicherung unbedingt eine umfassende psychologische Diagnostik mit Durchführung eines standardisierten Intelligenztests durch einen erfahrenen Diplom-Psychologen / Diplom-Psychologin erforderlich.